Someone interesting

Wann habt ihr das letzte Mal jemanden getroffen und wart so richtig begeistert?

Diese Frage habe ich mir schon lange nicht mehr gestellt. Und warum? Weil ich ebenso lang niemanden getroffen hatte, auf den das zutreffen würde. Ich will damit nicht sagen, dass es dort draußen keine interessanten Menschen mehr gibt (was aufgrund der ganzen Internet-Zombies, die überall herumlaufen, -sitzen, -stehen und -liegen, dabei permanent und derart intensiv in ihr Smartphone starren, als ob es um ihr Leben ginge, gar nicht so abwegig ist).

Ich will damit sagen, dass es mir in den letzten Jahren zum einen zunehmend schwerer gefallen ist, mich auf unbekannte Leute einzulassen, offen zu sein für die Begegnung, mich einfach fallen zu lassen. Immer, wenn sich eine solche Situation hätte ergeben können, habe ich nur das Nötigste gesagt, (oder gar nichts), habe mich nach dem „Danke, ihnen auch einen schönen Tag!“ umgedreht und bin meines Weges gegangen. Alleine.

Oder ich war auf einer Party, saß auf der Couch und wartete, dass etwas Spannendes passierte. (Was wahrscheinlich alle anderen auch getan haben). Als sich nach 10 Minuten immer noch keiner zum Affen gemacht hatte oder jemand mit einem alles verändernden Gesprächsthema um die Ecke kam, gab ich auf und ging schon wieder meines Weges. Alleine.

Erleichtert, dass es endlich vorbei und ich nicht mehr gezwungen war, mich anderen Menschen zu stellen.

Aber auch traurig und mit einem bitteren Gefühl auf der Zunge, weil ich doch eigentlich offen sein wollte.

Auf dem Heimweg starrte ich in mein Handy (haha) und in die Nacht hinaus, aus dem Fenster des fahrenden Busses. Ab und an zog ein Gesicht an mir vorbei, jedoch kam ich nicht einmal auf die Idee, mich zu fragen, was für ein Leben dahinter stand. Als ich dann daheim angekommen war, wunderte ich mich, warum die Party eigentlich so langweilig gewesen war, warum sich keiner die Mühe gemacht und mich angesprochen hatte. Was zur Konsequenz hatte, dass ich mich ärgerte, überhaupt hingegangen zu sein. Das nächste Mal, so nahm ich mir vor, würde ich fernbleiben.

Und, bemerkt ihr die Ironie des Ganzen?

Zum anderen habe ich irgendwie verlernt, die richtigen Fragen zu stellen. Wie betreibt man heute noch eine gelungene, ansprechende und wertvolle Konversation, aus der beide Parteien hinausgehen und denken: „Wow, so habe ich das noch gar nicht gesehen!“ oder „Echt cool, diese/r XY, sie/ihn würde ich gerne wiedersehen!“ Und das soll jetzt nicht auf die Datingschiene gehen. Mir geht es ganz allgemein um den Dialog mit einem neuen Gegenüber. Wenn ich heute jemand Neues kennenlerne, dann habe ich immer das sprichwörtliche Brett vorm Kopf. Mir fällt nichts Besseres ein als „Und, was machst du so?“. Dann bekommt man die abgespeckte Version des Lebenslaufs vor den Latz geknallt und das war‘s dann auch. Keine der Parteien will weiterreden, schweigen fühlt sich aber genauso unangenehm an. Man starrt sich ein paar Sekunden peinlich und unentschlossen an, dreht sich halb weg und sagt: „Ich geh mal meine Leute suchen. Hat mich gefreut.“  (Was eigentlich nicht die Wahrheit ist, schließlich weiß man ja nichts von der Person, sodass man den Kontakt beurteilen könnte).

Was also tun? Ehrlich gesagt, habe ich darauf aktuell leider keine passende Antwort, ich wünschte, es wäre anders. Gerne hätte ich selbst jemanden, der mich an die Hand nimmt und mir erklärt, wie ich mich einer anderen Person gegenüber verhalten soll und welche Knöpfe ich drücken muss, damit wir beide davon etwas haben. Schließlich sind wir alle Menschen, wir sind soziale Geschöpfe, die auf die Kommunikation und den Austausch angewiesen sind.

Schuld an dem Ganzen Übel ist der Luxus, der mit unserer digitalen und personalisierten Welt einhergeht.

Wir können alles und jeden jederzeit haben, genauso schnell aber auch ablehnen. Wir können eine (unangenehme) Konversation einfach wegdrücken, offline gehen, wenn wir es wollen und online sein, wenn wir wieder bereit sind, uns der Umwelt zu stellen. Wir starren abwesend in unsere Telefone, wenn wir in einer Gemeinschaft am Tisch sitzen, in der verzweifelten Hoffnung etwas darin zu finden, das uns interessiert. Dabei sitzt das Interessanteste uns nicht selten gegenüber. Wir können unsere Taschen und unseren Schmuck personalisieren lassen, persönliche Playlists erstellen, die Netflix-Serie anhalten, wenn wir „mal kurz“ unsere Nachrichten checken wollen[1] und uns auf Instagram vom Neuigkeiten aus dem Alltag anderer (oft Wildfremder) berieseln lassen, weil wir meinen, unser eigener wäre monoton (Woran das wohl liegt?). Kompromisse eingehen müssen wir nicht mehr, vielen Dank, du digitale Evolution.

Obwohl wir ständig auf Instagram sind, „um uns Inspiration zu holen“, sind wir so inhaltslos und fade geworden wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Denn wir müssen es nicht mehr. Wenn wir keine Lust auf jemanden haben, dann drücken wir ihn einfach weg.

Die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren konnten nichts für ihre Auslöschung, hatten keinen Einfluss auf den Meteoriteneinschlag, der ihre Existenz zunichte machte. Wir Menschen sind so einfältig und gehen eigenständig einen Schritt weiter: Wir tragen unseren sozialen Untergang freiwillig mit uns herum.

Findet ihr das nicht unglaublich schade?

Es scheint einerseits also sehr schwierig geworden zu sein, sich von jemandem begeistern zu lassen – wir stellen unsere Ansprüche zu hoch oder zu niedrig ein, je nach Blickwinkel – und andererseits legen wir uns Steine in den Weg, wenn es darum geht, selbst aus dem tristen Einheitsbrei auszubrechen und andere zu begeistern. Dabei können wir doch eigentlich nur gewinnen oder?

Deshalb: Stellt Fragen, denn es gibt nur richtige. Interessiert euch. Nicht für eure Zehenspitzen, wenn ihr missgelaunt auf den Boden starrt, in der Hoffnung auf Besserung. Tauscht euch aus und genießt die Vielfalt der Persönlichkeiten, nicht die der Spotify-Playlists und Netflix-Videotheken. Vielleicht steht euch ja jemand ganz Besonderes gegenüber 🙂

Irgendwer hat doch mal gesagt: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Ich halte das für einen wirklich guten Ansatz.

Um auf den Anfang meines Artikels zurückzukommen: Ich habe tatsächlich vor einiger Zeit eine Person getroffen, die mich sehr begeistert hat. Dabei hat dieser Jemand nicht wirklich viel gesagt. Es war viel mehr die Art, wie er es getan hat. Ah, und er hat mich zum Lachen gebracht. Mir tut die Gegenwart dieser Person gut, davon zehre ich dann, wenn ich mal einen schlechten Tag habe. Aktuell stehe ich vor der Herausforderung, wie ich mit dieser Person einen Dialog aufrechterhalten kann, ohne einen falschen Eindruck zu vermitteln….es bleibt abzuwarten, ob es mir gelingt. Wünscht mir Glück.


[1] Seid mal ganz ehrlich und beantwortet mir folgende Frage: Wer von euch hat noch nie sein Smartphone zur Hand genommen  und Instagram/WhatsApp/Nachrichten etc. angeschaut, obwohl er doch gerade beim Fernsehen war?

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Rezension „Loyalitäten“

„Ich weiß, dass Kinder ihre Eltern schützen und dass dieser Pakt des Stillschweigens sie manchmal sogar das Leben kostet.“

Es ist fast so, als ob Delphine de Vigan in die verworrenen Köpfe der Menschen voller verwirrender Pfade schauen könnte, wenn man ihre scharfen Beobachtungen liest. „Loyalitäten“ ist ein eindrucksvolles Buch, von dessen  Sorte es deutlich mehr geben sollte. Seine  knapp 180 Seiten haben es wirklich in sich. Doch manchmal benötigt es nicht viele Worte, um jemanden aufzurütteln. Manchmal reicht auch nur ein einziger Satz: „Ich bin da.“

Delphine de Vigan ist nicht umsonst eine der gegenwärtig wichtigsten Stimmen Frankreichs. In ihrem aktuellen Buch beschreibt sie zugleich einfühlsam und schonungslos, zu welchem Schmerzempfinden und Leid die Menschen fähig sind – ob sie es sich selbst zufügen oder anderen, ob sie es wissentlich tun oder vollkommen ohne Absicht. Nicht einmal Kinder bleiben davon verschont.

Die Französin porträtiert Menschen, die gefangen sind in „Loyalitäten“, unfähig auszubrechen, zum Stillstand verdammt. Man stellt sich unweigerlich die Frage: Ist der Grund für ein solches Verhalten lediglich purer Egoismus oder wahrhaftige Loyalität? Ist es stupide Akzeptanz oder aufgezwungene Ohnmacht?

Vigan wählt dafür eine Sprache, wie sie nur sehr selten zu finden ist: Bildhaft, jedoch nicht romantisch, beschreibend, jedoch nicht zu sehr ausschmückend, bedacht, aber nicht langweilig. Im Ausdruck ist ihr Schreibstil fantastisch. Und ihre Beispiele sind derart treffend, dass es schon beinahe beängstigend ist.

Die Geschichte macht wütend, ohne einen Schuldigen zu liefern; sie macht betroffen, ohne eine wirkliche Unmittelbarkeit zuzulassen, sie macht schuldlos schuldig. Und vielleicht erreicht sie es doch, uns alle wachzurütteln.

(Rezensionsexemplar)

Das Problem mit dem Mittagessen…

Kennt ihr das auch? Diese nervige Frage, die jeden Sonntagnachmittag im Kopf auftaucht: „Was esse ich diese Woche zum Lunch auf der Arbeit?“

Solange ich Studentin war, hat sie mich nicht sonderlich groß beschäftigt. Da ich immer mit Kommilitonen in die Mensa gegangen bin und am Wochenende mit Freunden etwas gekocht habe, wo immer jemand eine tolle Idee für mehrere Leute hatte, musste ich nicht groß darüber nachdenken.

Seit einiger Zeit arbeite ich aber Vollzeit im Büro. Da machen wir alle zusammen Pause und spätestens am dritten Tag hatte ich verstanden, dass sich die anderen nicht „nur“ ein belegtes Brötchen zum Lunch mitnehmen. Zudem fühlte ich mich zu sehr an meine früheren Schulpausen erinnert. Ich wollte also auch ein warmes Mittagessen, eine langfristige Idee dafür hatte ich aber nicht.

Welches Gericht ist denn leicht, schnell gekocht und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich an die Mittagspause denke? Und was lässt sich auch noch gut mit auf die Arbeit nehmen? Ich wollte frische, gesunde, bunte und aufregende Dinge zum Lunch essen können, ohne schlechtes Gewissen oder Langeweile…oder verzweifelte Blicke in den Kühlschrank am Sonntagabend. Und das am besten alles in einem. Denn obwohl ich auch immer wieder Rezepte aus Magazinen umsetze, finde ich es auf die Dauer ziemlich aufwendig, sich diese zusammenzusammeln, einzukleben, aufzuheben etc.

Lange war ich jedoch nicht ratlos, denn ich stieß auf das Buch „Pause im Glas“. Das war genau die Inspiration, nach der ich gesucht hatte.

(Rezensionsexemplar)

In dem Buch stecken neben Rezepten für „Energiepakete & Wachmacher“ oder Salate auch tolle Ideen für Suppen und andere leckere Lunchgerichte. Meistens sind sie auch für eine Person konzipiert, sodass man prima planen und kalkulieren kann. Der Clou an dem Konzept von „Pause im Glas“ ist, dass man das zubereitete Essen in Einmachgläsern aufbewahrt und transportiert. So bleibt es haltbar, frisch und frei von umweltbelastenden Plastikverpackungen. Ich bin bei Weitem kein Superöko, freue mich aber immer, wenn ich in dieser Hinsicht ein bisschen achtsamer leben kann.

Bisher habe ich zwei Rezepte ausprobiert und bin sehr zufrieden. Die Gerichte sind super lecker, unkompliziert, lassen aber auch genug Spielraum für Abwandlungen. Und da ich ein großer Fan von asiatisch angehauchtem Essen bin, bin ich hier bestens bedient.

Das Kichererbsencurry habe ich ausprobiert. Da momentan keine Kürbissaison ist, habe ich ihn kurzerhand durch eine Süßkartoffel ersetzt

Überdies möchte ich auch noch sagen, dass ich ein großer Verfechter von gedruckten (Koch)büchern bin. Zwar lässt sich nichts gegen ein schnell eingetipptes Rezept in Google sagen, doch habe ich mich schon viel zu häufig darüber geärgert, wenn mir während dem Kochen das Handydisplay ausgegangen ist, ich mit verschmierten Fingern wieder die PIN eintippen musste oder das Format einfach zu klein war. In einem gedruckten Buch hingegen kann man unbeschwert blättern, man hat es immer parat in der Küche liegen…und kann bei Bedarf auch unkompliziert Notizen hinzufügen 🙂

Und über die inspirierenden Bilder, die man anschauen kann, muss ich wahrscheinlich auch nicht mehr sagen, oder?

Was esst ihr denn so in der Mittagspause? Kauft ihr euch immer etwas oder nehmt ihr euch was von zuhause mit?

Monthly Recap: Februar


Oh, she’s sweet but a psycho
A little bit psycho
At night she’s screamin‘
„I’m-ma-ma-ma out my mind“
Oh, she’s hot but a psycho
So left but she’s right though
At night she’s screamin‘
„I’m-ma-ma-ma out my mind“

Ava Max „Sweet but psycho“

Ok, ich weiß, diesen Monat bin ich mit meinem Rückblick wirklich spät dran. Aber ich habe auch eine gute Ausrede parat. Eine wirklich gute. Damit werde ich die Geister vermutlich scheiden und mir nicht unbedingt neue Freunde machen, aber ich muss zugeben, dass ich im Februar zu den wahren „Narren“ gehöre.

„Zicke-zacke, Zicke-zacke,…“

„Heuheuheu!!“

„Nari“ –

„Naro“

Na, wer kennt diese Worte? 🙂 Die meisten werden sie erkannt haben, auch, wenn sie sie nicht so gerne hören wie ich.

Gerne gebe ich offen zu: Ich liebe Fasching und alles (naja, fast alles…bis auf die ganz schrägen Typen, die im Suff unkontrolliert umhertorkeln und nach einer Woche Alkoholdauerkonsum nicht mehr wissen, wer sie eigentlich sind), was damit zusammenhängt. Es gibt, abgesehen von ein paar Ausnahmen, so viele tolle Dinge, die den Karneval zu einem unverwechselbaren Erlebnis machen – zumindest für mich und meine Freunde. Allem voran steht für mich:

Das Verkleiden.

Jedes Jahr aufs Neue gehe ich vollkommen darin auf, mir auszudenken, in welche Rollen ich schlüpfen werde. Zu jeder Veranstaltung gehört dann natürlich auch ein extra Kostüm, das versteht sich ja von selbst. Ich war schon Indianer, Matrosin, Zirkusdirektorin, Blümenmädchen, Cowgirl, Apfel, Teufel, Engel…und dieses Jahr ging ich als 20er-Jahre Flappergirl. Dieses Kostüm gehört zu meinen absoluten Favoriten. (Und das nicht nur, weil „The great Gatsby“ zu meinen Lieblingsfilmen gehört oder man das glitzernde Kleid auch problemlos zu jedem weiteren halbwegs schicken Anlass tragen kann).

Ich bin mit dieser Kultur aufgewachsen, sie ist ein Teil von mir. Die fünfte Jahreszeit gehört halt zu meinen liebsten. Acht Jahre lang habe ich Garde und Showtanz in zwei verschiedenen Vereinen getanzt, bin bei diversen Umzügen mitgelaufen oder auf einem rot-gelben bzw. blau-weißen Wagen mitgefahren. Das Grölen von derben Faschingsliedern, das Frieren in so mancher Februarkälte und das alljährliche Verkleiden sind deshalb als fester Bestandteil in meinen Terminkalender integriert.

Um aber zu meiner Ausrede zurückzukommen: Die ausgiebige Planung und Durchführung des Karnevals 2019 hat schlicht und einfach meine ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Aber noch länger wollte und konnte ich den Blog nicht vernachlässigen, dazu schreibe ich zu gerne.

Anfang dieses Monats bin ich auch ganz schön in Deutschland herumgekommen: So war ich nicht nur in Offenburg und Ulm unterwegs (wo ich mich mit einer guten Freundin getroffen habe), sondern auch in Köln (aber noch vor Fasching. In der Hochburg wäre es selbst mir zu viel geworden). Meine Schwester und ich waren auf einem Konzert von Hayley Kiyoko. Wer soll das sein, werden sich hier vielleicht ein paar Leute fragen. Kennt ihr noch „Lemonade Mouth“? Für Millenials wie mich ist das eine der späteren Disneyproduktionen. Ein bisschen wie „High School Musical“, nur nicht ganz so schnulzig. Hayley spielt darin eine aufmüpfige, aber unterdrückte Teenagerin, die letztendlich ihre Erfüllung und neue Freunde in der gleichnamigen Band findet. In den vergangenen Jahren hat sich die Schauspielerin und Sängerin echt gemacht und wird in der Szene sogar als „lesbian jesus“ gefeiert. Ich muss sagen, ich habe selten eine so friedliche und coole Stimmung auf einem Konzert erlebt. Das war wirklich eindrucksvoll. Und wer eine derart wichtige Botschaft unter die Menschen bringt, den kann man nur unterstützen.

Wir sind dann auch eine Nacht in Köln geblieben und haben eines meiner Lieblingscafes dort besucht: „Herr Pimock“ in Ehrenfeld. Sollte jemand von euch mal dort sein, unbedingt den French Toast probieren! Und lasst euch auf keinen Fall den Kaffee der Rösterei „Van Dyck“ entgehen. Den trinke ich so gerne, dass ich ihn mir sogar von einer Freundin regelmäßig importieren lasse 🙂

An den Rheinterrassen

Alles in allem war im Februar also doch Einiges los.

Was mich diesen Monat sonst noch bewegt und beschäftigt hat, könnt ihr hier sehen:

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  • gelesen:

Die rote Königin – Victoria Aveyard

Gläsernes Schwert – Victoria Aveyard

Goldener Käfig – Victoria Aveyard

  • gehört:

What I need – Hayley Kiyoko

Sweet but psycho – Ava Max

TWENTY SOMETHING – Podcast von Lina Malon

  • gekauft:

The future is female – Scarlet Curtis

Die Netzwerkbibel – Tijen Onaran

Einen Büchereausweis für die Stadtbibliothek

  • gesehen:

Ulm, Offenburg, Köln

Maria Stuart

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Ich traue mich zwar kaum zu fragen…aber gibt es hier jemanden, der Fasching auch so sehr feiert wie ich?

Wozu Geschichten in der Lage sind

Vor ein paar Semestern hat mich eine meiner Dozentinnen an der Uni einmal dazu ermuntert, einen Text über mein schönstes Leseerlebnis zu verfassen. Ich musste nicht lange überlegen, mir schwebte umgehend vor, über was ich schreiben würde. Das unter Schreiberlingen allgemein weit verbreitete – und gefürchtete – Problem der Schreibblockade ist mir in der Regel fremd. Auf das Thema komme ich zwar nicht immer von selbst, aber sobald mir jemand sagt, ich solle mir zu diesem oder jenem Gedanken machen, dann greift ein Zahnrad in das nächste und in meinem Kopf läuft es ganz von selbst.

Dennoch beschreibt die Schilderung, die nun folgt, nicht unbedingt mein „schönstes“ Leseerlebnis meiner noch relativ kurzen Existenz. Aber es erzählt vom Nachdrücklichsten, Intensivsten. Dieser Beitrag erzählt von demjenigen Leseerlebnis, das mir in besonderer Erinnerung geblieben ist und mich stets jene starken Gefühle erneut durchleben lässt, wann immer ich daran zurückdenke.

Das Buch, um das es dabei geht, trägt den leider unglaublich geschwollenen Titel Als wir unsterblich waren. Der erinnert sehr an das kitschig klingende Kollektiv deutscher Nicholas-Sparks-Romane. (Von denen ich immer vergesse, welche Geschichte jetzt zu welchem Titel gehört…die klingen alle gleich!) Mein Buch jedoch wurde von der damals noch relativ unbekannten deutschen Schriftstellerin Charlotte Roth verfasst. Sie verarbeitet darin in abstrahierter und veränderter Form ihre Eindrücke der Teilung Deutschlands in West und Ost im vergangenen Jahrhundert. Doch dies ist nur die Rahmenhandlung des Romans. In der Binnengeschichte schildert Roth mit einer beeindruckenden Einfühlsamkeit und Anschaulichkeit die Geschichte Deutschlands während der beiden Weltkriege. Inzwischen ist diese Thematik zu ihrem Steckenpferd geworden, im April 2019 veröffentlicht sie ihren sechsten Roman.

Aus dem Geschichtsunterricht meiner Schulzeit sind mir die historischen Eckdaten und Schlüsselereignisse zwar bekannt, jedoch wirkten sie damals auf mich immer wie etwas, das nichts mit mir zu tun hatte, weit entfernt und deshalb zweidimensional. Durch Roths Roman wurde für mich die deutsche Geschichte zum ersten Mal wirklich plastisch und greifbar, weil  die Autorin sie geschickt in ihre fiktive, mitreißende Romanhandlung verpackt und auf diese Weise unbewusst an den Leser – mich in diesem Fall – vermittelte. Doch das war nicht der eigentlich überzeugende Teil des Romans.


„Don‘t judge a book by it‘s cover“

Genau meins!

Ursprünglich hatte ich ihn mir nämlich gekauft, weil es kurz vor dem Semesterferien gewesen war und ich meiner umfangreichen Sammlung von Urlaubslektüre ein weiteres Werk hinzufügen wollte, denn im Koffer war noch etwas Platz und ich hatte nicht vor, nach einer Woche dann plötzlich ohne Buch am Strand zu liegen. Es wäre übertrieben zu sagen, dass mir das relativ schlicht in Schwarzweiß gehaltene Cover ins Gesicht sprang, aber es gelang ihm zumindest, sich von der breiten Masse in der Buchhandlung abzuheben. Deshalb dachte ich mir: Ja, kann man für 10 Euro mal mitnehmen. Format und Haptik waren ebenfalls in Ordnung.

Im Urlaub aber wanderte das Buch im Koffer zwischen den ungetragenen Klamotten und sandigen Handtüchern immer weiter nach unten, weil ich mich aus unerfindlichen Gründen nicht dazu aufraffen konnte, es zu lesen. Nebenbei erschienen mir meine anderen literarischen Eroberungen um Einiges spannender. Doch da irrte ich mich.

Mechanisch arbeitete ich mich während der zwei heißen Wochen an Strand und Pool durch den mitgeschleppten Privatbibliotheksbestand, und war danach zwar erholt und entspannt, mit der Urlaubslektüre hingegen nicht ganz so zufrieden, als ich wieder in der Heimat angekommen war. Weil ich aber noch genügend Muße und keinen anderen Lesestoff mehr übrig hatte, griff ich notgedrungen zum verbliebenen „Kofferhüter“. Rückwirkend muss ich sagen: Gott sei Dank. Denn selten – oder überhaupt noch nie, soweit ich mich erinnern kann – hat mich eine Veröffentlichung in einem solchen Ausmaß mitgenommen und in seinen Bann geschlagen. Ich war während des Lesens gefesselt, die Außenwelt war vollkommen ausgeblendet, weshalb ich den gesamten Tag und die halbe Nacht nur im Bett lag und das Buch nicht aus der Hand legen konnte….bis ich es schließlich doch musste, weil ich es emotional nicht mehr aushielt. Absolut ausgelaugt versuchte ich einzuschlafen, nachdem ich in kürzester Zeit die gesamte Bandbreite der menschlichen Gefühlspalette durchlebt hatte. Und zugegeben: Es flossen nicht wenige Tränen. Aber auch lachen musste ich – sogar laut – was ich noch nie zuvor beim Lesen getan hatte. Es ist schon fast ein bisschen beschämend zuzugeben, aber ich war überdies kurz davor, das Buch vor lauter Wut über die Dummheit der Protagonisten und die nervenzerreißenden, dramatisch-schicksalhaften Wendungen der Handlung an die Wand zu werfen.

Am Ende tat ich es aber doch nicht. Beinahe ehrfürchtig saß ich da und dachte ein paar Momente lang nach, bis ich mich dazu durchringen konnte, die letzte Seite umzublättern und Als wir unsterblich waren ins Regal zu stellen.

Natürlich handelt es sich hierbei um keine wirklich intellektuell anspruchsvolle Literatur. Das ist mir als Literaturwissenschaftlerin wohl bewusst. Das Buch ist eine kleine Ablenkung, ein literarischer Leckerbissen zwischen all den anstrengenden Lesehürden meines damaligen Studentendaseins. Aber selten habe ich einen Roman gelesen, der eine solche Wirkung – und Nachwirkung – auf mich hatte, weshalb ich ihn mit Freuden weiterempfehle.

Letztendlich bewahrheitete sich der schon allzu oft gebrauchte Spruch „Don‘t judge a book by it‘s cover“ – in diesem Fall „by it‘s Klappentext“ – für mich.

Wie ist das bei euch? Gibt es auch ein Buch oder eine Geschichte, die in euch solche Reaktionen ausgelöst hat?

Rezension „Die rote Königin“

„Diese Welt ist silber, aber sie ist auch grau. Es gibt weder Schwarz noch Weiß.“ (S. 286)

(Rezensionsexemplar)

Die Welt ist geteilt in zwei (Blut)Fraktionen: Auf der einen Seite existiert die überlegene, herrschende und mit besonderen Fähigkeiten ausgestattete Klasse der Silbernen und auf der anderen stehen die ausgebeuteten und von Armut gequälten Roten. Dazwischen findet sich die junge Protagonistin Mare Barrow wieder.

Durch schicksalshafte Wendungen gerät sie mitten hinein in die elitäre Gesellschaft der Silbernen – als eine von ihnen. Doch befindet sich die Welt, wie sie sie kennt, im Umbruch. Mare muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen will und zu welchen Opfern sie bereit ist. Sie trifft auf neue Verbündete, aber auch auf neue Feinde und muss auf die schmerzhafteste Weise lernen, dass wirklich jeder dazu in der Lage ist, dich zu hintergehen.

Ehrlicherweise muss ich zuerst sagen: Ich hatte von Die rote Königin nichts Besonderes erwartet. Zwar wusste ich, dass es sich hierbei um einen Spiegel-Bestseller handelte, doch ich dachte mir, ich halte einen weiteren Jugend-Fantasy-Roman aus dem gegenwärtig zuhauf publizierten SciFi-Einheitsbrei in den Händen, um den in den Medien (zu) viel Wind gemacht wird.

„Jeder kann einen verraten.“

Doch das Buch hat mich wider meine Erwartungen 100 %ig überzeugt. Nach 60 Seiten konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Ich fühlte mich bei der Protagonistin an die eigensinnige Katniss Everdeen erinnert (ich habe Die Tribute von Panem geliebt und tue es immer noch!), und in der Tat haben Aveyards und Collins Erzählungen einige Gemeinsamkeiten: Da gäbe es die mutige, aufmüpfige, aber irgendwie doch liebenswürdige Protagonistin mit hinreichend Identifikationpotenzial, die Dreiecksbeziehung, in der sie mit zwei konkurrierenden Kerlen steckt und die fantastische, in verfeindete Oppositionen geteilte Welt. Doch je weiter sich die Geschichte voran bewegte, desto mehr  entfernte sich Aveyard von bereits Bekanntem, wurde immer individueller und unberechenbarer. Sie weiß gekonnt das Garn zu spinnen, aus dem gute Geschichten gemacht sind.

Was mich besonders eingenommen hat, war Folgendes: Das Abenteuerliche – Neugierweckende –  das jedem Auftaktroman einer mehrbändigen Reihe innewohnt, begegnete mir schon auf den ersten Seiten. Natürlich besitzt jeder Fantasyroman diese Voraussetzungen; doch in Die rote Königin hat dieses Charakteristikum derart intensiv auf mich eingewirkt, wie schon lange nicht mehr. Aveyards fantastische Welt ist nah genug an Panem, Mittelerde oder der Tintenwelt dran, um familiär zu wirken und das Niveau des Bekannten halten zu können, jedoch auch weit genug davon entfernt, um durch seine Einzigartigkeit zu bestechen.

Um es kurz zu fassen besticht Die rote Königin durch unvorhersehbare Handlungsumschwünge, überzeugende Charaktere und einen unkonventioneller Plot, der Lust auf mehr machen. Schon jetzt habe ich mich nach dem zweiten Teil umgesehen und kann es kaum erwarten zu erfahren, wie es mit Mare, Cal und Maven weitergeht. Hoffentlich kann die Autorin das erreichte Niveau halten, ich bin gespannt.

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Always wear the red one

Ein Plädoyer für den roten Mantel

Wenn mich jemand spontan auffordern würde, aus dem Stehgreif ein einziges Kleidungsstück aus meiner Garderobe auszuwählen und es zu meinem Lieblingsstück zu küren, dann würde die Wahl wohl ohne großes Zögern auf meinen heißgeliebten zinnoberroten Wollmantel fallen.

Seine auffallende Farbe und sein klassischer Schnitt, diese konträre Kombination macht ihn einfach zu einem zeitlosen und leicht zu kombinierenden Klassiker. Und das zu jeder Gelegenheit. Denn er lässt sich sowohl im Alltag gut zu schlichten Teilen tragen, als auch zu schickeren Anlässen – man muss lediglich das Schuhwerk wechseln.

Meinen roten Mantel habe ich im Herbst 2017 bei Mango ergattert – und seine Beliebtheit ist bis heute ungebrochen.

Selten wurde ich so oft auf ein Kleidungsstück angesprochen wie auf diesen einen roten Mantel. Selten hab ich derart viel positive Resonanz auf ein Teil aus meiner Garderobe erhalten.

Der rote Mantel ist das It-Piece, durch das selbst das langweiligste oder schlichteste Outfit ohne große Mühen aufgewertet werden kann. Rot ist eine Signalfarbe, fällt in der Menge auf. Ein wenig Mut gehört schon dazu, ein Kleidungsstück in dieser Farbe zu tragen. Bewege ich mich durch den morgendlichen Berufsverkehr in öffentlichen Verkehrsmitteln, heben einige Frauen anerkennend die Augenbrauen und so mancher männliche Blick folgt dem roten Teil. „Man hat dich schon gesehen, als du ausgestiegen bist“, dies sagte mir mein Bruder, als er mich in jenem Herbst am Bahnsteig der Deutschen Bahn abholte. In der Masse aus schwarzen und grauen Mänteln, Capes und Jacken stach ich hervor wie ein Kanarienvogel in den tristen Häuserschluchten New Yorks. Und da ich sowieso nur knapp 1,60 m groß bin, kann ich in der Menge nicht mehr so leicht verloren gehen 🙂

Dennoch ist ein roter Mantel weniger aufdringlich und schrill wie andere ein Kleidungsstück dieser Art in anderen Knallfarben: In Gelb oder beispielsweise Grün. Zwar ist der marineblaue oder königsblaue Mantel ebenso ein Klassiker, der zweifellos in jede Fashionista-Garderobe gehört. Doch es gibt einfach nichts Schöneres, als im Herbst in der Natur unterwegs zu sein und mit den gelben, orangenen und goldenen Blättern um die Wette zu leuchten. Da wird einem immer warm (ums Herz) sein – unabhängig von jeglicher Außentemperatur. Blau wirkt im Vergleich zu Rot stets kühler und distanzierter, passt sich somit der tristen Stimmung des Winters an.

Nachweislich hebt das Teil deshalb auch (meine) Stimmung: Ich freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn es das Wetter zulässt, meinen Lieblingsmantel zu tragen. Von einem Ohr zum anderen grinsend marschiere ich durch die Innenstadt und genieße die Wirkung, die er auf mich und meine Umgebung hat.

Deshalb lohnt es sich immer, in einen roten Mantel zu investieren. Den Kauf habe ich noch nie bereut.

(Ach…und für die Fashionistas unter meinen Lesern: An einem solchen Mantel lässt sich ein aktueller Trend bestens umsetzen: Das Comeback der Brosche! An meinem Mantelkragen trage ich zum Beispiel eine Spotttölpelbrosche (fangirl moment!). Für Unwissende erscheint sie als eine ganz normale Schmuckbrosche mit Tiermotiv – doch für Wissende ist es ein Bekenntnis: Ich bin Teil der Rebellion!)

Ein Dankeschön auch an die Fotografin. Die Bilder hat meine liebe Freundin Isabel in Ulm mit mir gemacht.

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Narciso Rouge. Feminin, blumig mit Moschusnote. Ein schwerer Duft, aber ich liebe ihn

Und wie sieht es bei euch aus? Gibt es in eurem Kleiderschrank auch so ein Teil?