Welcome to my teenage self – eine kleine literarische Zeitreise zu meinem Teenager-Ich

Wie habe ich sie in meinen Teenagerjahren geliebt, diese Fantasy-Liebes-Romane: Von Stephanie Meyers „Bis(s)-Trilogie“, Kai Meyers „Arkadienbüchern“ über Maggie Stiefvaters „Nach dem Sommer“-Reihe, bis hin zu Suzanne Collins „Panem“[1]: Ich habe sie ALLE gelesen. Habe mein mühsam zusammengespartes Taschengeld (es waren nur 10 Euro im Monat!) in die Buchhandlung meines Vertrauens getragen, um mich in all den fremden Welten zu verlieren und mich immer ein wenig zu verlieben…und (köstlich) zu leiden. Als ich es mir irgendwann (bei meinem übermäßigen Bücherkonsum) nicht mehr leisten konnte, habe ich nicht nur in den Schulferien tütenweise faustdicke Romane aus der Bücherei ächzend nach Hause geschleppt, auf meinem Schreibtisch gestapelt, nur, um sie viel zu schnell durchzulesen, wieder zurückzubringen, traurig, dass ich kein Teil mehr der Geschichte sein konnte. Jahrelang pilgerte ich also zwischen meinen literarischen Kultstätten hin und her und war vollkommen glücklich. Bis ich es irgendwann nicht mehr tat.

Ich möchte an dieser Stelle auch nicht verhehlen, dass es eben jener erst genannte, viel  gehypter und inzwischen (leider) verschriene Vampirroman war, der meine Lust zum Lesen entfacht hat.

Heute – über 10 Jahre später – muss ich zugeben: Im Herzen bin ich immer noch ein Teenie. Zumindest teilweise. Es gibt sie hin und wieder, diese Tage, an denen ich rastlos bin und unzufrieden und keine Lektüre aus meiner stetig wachsenden Sammlung dieses Gefühl besänftigen kann. Nichts kann Sie stillen. Wen ich meine? Die Sehnsucht nach ergreifenden, leidenschaftlichen, gefühlsaufwirbelnden Geschichten junger Erwachsener, die von einem Tag auf den anderen in eine vollkommen neue Welt eintauchen – ein Leben leben, von dem ich in meinem langweiligen Alltagstrott nur träumen kann. Magische Kräfte entwickeln, sich in Monster verlieben oder selbst zu Monstern werden. Ja, es gibt sie, diese Tage, und ich möchte sie nicht missen.

Aber ich ringe mich inzwischen – als „Erwachsene“ – viel zu selten dazu durch, mir diese Bücher tatsächlich auch zu kaufen. In der Buchhandlung stehe ich jedes Mal vor dem Regal, um dann unverrichteter Dinge von Dannen zu ziehen. Das Schlimmste ist, ich weiß genau warum, schäme mich aber, es mir selbst einzugestehen: Als ausgebildete Germanistin mit Masterabschluss sollte ich keine derartige „Trivialliteratur“ lesen. Lesen wollen. Die Wahrheit aber ist, dass es genau Romane dieser Art sind, die mich zwingen, die Nacht durchzumachen. Die mich dazu bringen, in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit so lange zu schmökern, dass ich fast meine Haltestelle verpasse. Die meinen Vater zur Weißglut bringen, weil ich abends lesend stundenlang die Badewanne blockiere. Die mich dazu verleiten, den ganzen Tag an nichts anderes zu denken, als daran, wie es weiter geht. Niemals werde ich ohne ihn leben können, den süßen Schmerz, der entsteht, wenn man ein geliebtes Buch ausgelesen hat.

Weshalb ich aber überhaupt zu diesem Thema einen Artikel verfasse, ist, dass ich vor kurzem ein Buch in den Händen hielt, das mir all das versprach, was ich früher in Büchern suchte. Die Rede ist von „Staub & Flammen“ von Kira Licht. Den zweiten Band der Götter-Dilogie erhielt ich als Rezensionsexemplar, worüber ich mich sehr gefreut habe. Obwohl ich unvermittelt in die Geschichte einstieg, weil ich den ersten Roman „Gold und Schatten“ nicht kannte, hatte ich keine Probleme, mich in Livias und Maéls Universium zurechtzufinden.

„Die Liebe ist nur eine Leihgabe, Livia. Sie wird uns genommen. Durch das Schicksal, durch Hände anderer, durch den Tod. Ich hätte es wissen müssen. Und doch…“

Staub & Flammen, S. 353

Der Roman entspricht ganz klassisch einem Fantasyjugendbuch und genau das hat mich von der ersten Seite an eingefangen: Eine Dreiecksbeziehung, einen Bad Boy, den „guten“ Bruder, magische Wesen und griechische Götter, unerwartete Plottwist, einen Hauch Kitsch und tolle Paarmomente. Die reale Welt und das Übernatürliche treffen aufeinander und sorgen für nicht wenig Chaos. Natürlich darf man beim Lesen nicht vergessen, dass für eine ganz bestimmte Zielgruppe geschrieben ist, deren Lesewunsch erfüllt wird. Man darf keine Hochliteratur erwarten. Aber ist das nicht genau das, was auch ich von dem Buch wollte?

Nicht zu vergessen ist das hübsche Cover, das sich sehr gut in meiner Sammlung machen wird.

Also: Wer sich wie ich wieder einmal in magische Welten verlieren will und über witzige Dialoge und Teenie-Geplänkel schmunzeln möchte, für den spreche ich eine definitive Empfehlung aus. Fantasyromance at its best, würde ich sagen.

PS: Ich war ganz automatisch davon ausgegangen, die Reihe sei als Trilogie angelegt worden. Als ich feststelle, dass es sich jedoch um eine Dilogie handelt, war ich nicht wenig enttäuscht. Gerne würde ich noch mehr von den beiden Protagonisten lesen!

„Der Krieg um sie verstummte, als die schöne Helena auf Trojas brennenden Mauern tanzte.[…] Sie hat sich nicht darum geschert, was andere über sie sagen. Du bist wie sie. Es kümmert dich nicht, dass alle dir sagen, dass du einen aussichtslosen Kampf führst. […] Du tanzt auf brennenden Mauern.“

Staub & Flammen, S. 205

Welche Bücher haben euch als Teenager so begeistert, dass ihr sie nicht aus der Hand legen konntet?


[1] „Göttlich verliebt.“. „The Hollow“. „Vampire Diaries“. „Delirium“. „Percy Jackson“.  „Merlin.“ „Sonea“. Cassia & Ky“ (soll ich noch weiter machen?)

(Rezensionsexemplar)

Die Attraktivität einer Unerreichbaren

Eine kleine Reise in die Vergangenheit

Ich habe lange überlegt, ob ich den folgenden Artikel veröffentlichen soll. Er ist sehr persönlich, denn er wurde von meinem 20-jährigen Ich in einer emotional wirklich sehr aufwühlenden Zeit verfasst. Momentan befasse ich mich aber wieder mehr mit dem Thema „zwischenmenschliche Beziehungen“ und finde es deshalb wichtig, Erfahrungen zu teilen. Wir bringen heutzutage viel zu wenig Verständnis, Mitgefühl und Empathie für die Probleme anderer auf, weil wir von einem Ort zum anderen hetzen und nicht einmal unseren eigenen Gedanken genug Aufmerksamkeit widmen. Frei nach dem Leitsatz: „Mein Problem ist das größte, schwierigste, komplizierteste, deshalb kann ich mich nicht mit dir befassen, obwohl ich es gern würde. Oder auch nicht.“

Vielleicht würde es uns aber einmal gut tun, den Blickwinkel zu wechseln, einen Schritt zurückzutreten und zu versuchen, die Motivation für eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Aussage zu erkennen. Denn die wenigsten Zwischenfälle geschehen unabsichtlich und unbegründet. Überall steckt eine zweite Sicht dahinter.

Nach langem Hin und Her habe ich mich deshalb dazu entschlossen, den Text zu publizieren, denn er ist und bleibt ein Teil von mir und dokumentiert eine Gefühlslage direkt und unmittelbar – ungeschönt und vor allem subjektiv – aus meinem Leben.

Ein klein wenig habe ich ihn bearbeitet – einen Großteil aber so gelassen, wie er war. Stilistisch ist er deshalb vielleicht nicht auf ganz auf meinem angestrebten Niveau, aber er soll ja schließlich auch als „Zeitzeuge“ dienen.

…und ein klein wenig amüsant finde ich den Text auch…welche Probleme ich damals noch hatte 🙂

Es ist unglaublich, welch eine Wirkung die Unerreichbarkeit eines Menschen auf einen anderen haben kann. Gefühle und Verlangen werden geweckt und man glaubt etwas unbedingt sein Eigen nennen zu wollen, von dem man dachte, man könnte auch ohne leben.

Seit meiner Kindheit kenne ich da diesen einen Typen. Niedlich, aber nicht besonders aufällig; unglaublich lieb und auch ein wenig „uncool“. An besonderen Anlässen habe ich ihn hin und wieder gesehen, aber nicht weiter beachtet. Was ich an ihm aber mochte war, dass er mich beachtete, mich wahrnahm, und mir (wenn auch nur ein bisschen) Aufmerksamkeit schenkte. Eine nette Frage, oder ein kleiner Kommentar, schon fühlte ich mich weniger ausgegrenzt. Das tat meinem angekratzten und unsicheren Teenager-Ego unglaublich gut.

Jedoch änderte sich das (zumindest für ihn) dieses Jahr an Silvester. Wir haben getanzt in der Gruppe und haben uns von einem Lied mitreißen lassen. Ich konnte mich voll ausleben und den Abend wie noch nie zuvor genießen, obwohl er auch so jedes Jahr toll ist.

Es kam, wie es kommen musste: Danach schwärmte ich ein bisschen vor meinen Freunden von ihm, aber ganz unschuldig. Ein paar Tage später traf ich ihn dann in einem Club und er machte sich an meine Freundin ran, was mich wahnsinnig eifersüchtig machte. Sie ging aber nicht auf ihn ein – dann wollte er mit mir tanzen. Masochistisch, wie ich nun mal bin, willigte ich ein und dann fing er auch schon an, mich küssen zu wollen. Ich, total überrumpelt, wusste nicht, was tun, weil ich ihn ja doch irgendwie mochte. Nur die Sache mit meiner Freundin fand ich ziemlich unverschämt. Und irritierend. Deshalb habe ich ihn kurzerhand damit konfrontiert. Er sagte, er hätte nicht gewusst, wie er mich ansprechen solle und, dass er mich schon an Silvester toll gefunden hatte. Er machte mir Komplimente, umarmte mich. Mir war von einem Moment auf den anderen übel, nur irgendwie fand ich das nicht wirklich schlimm. Dann wollte er auf einmal mit mir ausgehen, aber ich wusste nicht, ob ich mich darauf einlassen wollte, weil ich eigentlich in einer anderen Stadt lebte und noch nie der Typ für Fernbeziehungen gewesen war. Also blieb ich ihm eine Antwort auf eine Woche schuldig und er begleitete mich zur Tür, weil ich einfach nicht länger bleiben konnte, ich war zu überfordert.

Die ganze Nacht konnte ich nicht schlafen und machte mir Gedanken, ob ich mich emotional auf ihn einlassen wollte oder nicht. Nur, um am nächsten Morgen frontal gegen eine Scheibe zu laufen – im übertragenen Sinn. Textnachricht von ihm: Eine Ausrede, der Alkohol Schuld, nur Freunde bleiben, bla, bla, bla …

Ok, wieder zurück in meiner Unistadt, fängt er ein paar Wochen später an, mir zu schreiben und ständig zu fragen, wann ich wiederkomme, sodass wir was trinken gehen können. „Hm, was mach ich bloß?“ Ich quäle mich wochenlang und komme wieder, freue mich auf ihn und bin inzwischen sogar sehr verknallt, weil er in unseren Gesprächen immer so charmant und aufmerksam war. „Warum nicht?“, denke ich.

Großer Fehler.

Als ein Besuch dann konkreter wurde: Von einem Tag auf den anderen nur noch einsilbige Antworten und keine Rückfragen. Ohne Grund. Nun muss ich mich jetzt fragen: „Was habe ich nur getan?“

Meine Theorie: Er fand mich anfangs wirklich gut, als es dann aber anfing, verbindlich zu werden, ging er auf Abstand. Meine plötzliche Unerreichbarkeit, als ich dann zurück in meiner Unistadt war, machte mich dann doch wieder attraktiv und interessant – schließlich waren fast 200 Kilometer zwischen uns. Anregende Gespräche die ganze Zeit, bis ich plötzlich wieder wirklich erreichbar war. Ich habe mich natürlich inzwischen emotional darauf eingelassen und bin nun der Idiot, der sich in den eigentlichen Idioten verknallt hat, obwohl ich doch die Vernünftige bleiben wollte (ein Charakterzug, den er übrigens auch attraktiv an mit fand!).

Nun, ich warte immer noch vergeblich auf die Einladung und jedes Mal, wenn ich seinen Namen lese, bezeichne ich ihn als Arsch. Verdient hat er es allemal. Ab jetzt bleibe ich konstant und wahrhaftig…unerreichbar.

Mal sehen, wann er sich wieder meldet….