„Diese Welt ist silber, aber sie ist auch grau. Es gibt weder Schwarz noch Weiß.“ (S. 286)
(Rezensionsexemplar)
Die Welt ist geteilt in zwei (Blut)Fraktionen: Auf der einen Seite existiert die überlegene, herrschende und mit besonderen Fähigkeiten ausgestattete Klasse der Silbernen und auf der anderen stehen die ausgebeuteten und von Armut gequälten Roten. Dazwischen findet sich die junge Protagonistin Mare Barrow wieder.
Durch schicksalshafte Wendungen gerät sie mitten hinein in die elitäre Gesellschaft der Silbernen – als eine von ihnen. Doch befindet sich die Welt, wie sie sie kennt, im Umbruch. Mare muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen will und zu welchen Opfern sie bereit ist. Sie trifft auf neue Verbündete, aber auch auf neue Feinde und muss auf die schmerzhafteste Weise lernen, dass wirklich jeder dazu in der Lage ist, dich zu hintergehen.
Ehrlicherweise muss ich zuerst sagen: Ich hatte von Die rote Königin nichts Besonderes erwartet. Zwar wusste ich, dass es sich hierbei um einen Spiegel-Bestseller handelte, doch ich dachte mir, ich halte einen weiteren Jugend-Fantasy-Roman aus dem gegenwärtig zuhauf publizierten SciFi-Einheitsbrei in den Händen, um den in den Medien (zu) viel Wind gemacht wird.
„Jeder kann einen verraten.“
Doch das Buch hat mich wider meine Erwartungen 100 %ig überzeugt. Nach 60 Seiten konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Ich fühlte mich bei der Protagonistin an die eigensinnige Katniss Everdeen erinnert (ich habe Die Tribute von Panem geliebt und tue es immer noch!), und in der Tat haben Aveyards und Collins Erzählungen einige Gemeinsamkeiten: Da gäbe es die mutige, aufmüpfige, aber irgendwie doch liebenswürdige Protagonistin mit hinreichend Identifikationpotenzial, die Dreiecksbeziehung, in der sie mit zwei konkurrierenden Kerlen steckt und die fantastische, in verfeindete Oppositionen geteilte Welt. Doch je weiter sich die Geschichte voran bewegte, desto mehr entfernte sich Aveyard von bereits Bekanntem, wurde immer individueller und unberechenbarer. Sie weiß gekonnt das Garn zu spinnen, aus dem gute Geschichten gemacht sind.
Was mich besonders eingenommen hat, war Folgendes: Das Abenteuerliche – Neugierweckende – das jedem Auftaktroman einer mehrbändigen Reihe innewohnt, begegnete mir schon auf den ersten Seiten. Natürlich besitzt jeder Fantasyroman diese Voraussetzungen; doch in Die rote Königin hat dieses Charakteristikum derart intensiv auf mich eingewirkt, wie schon lange nicht mehr. Aveyards fantastische Welt ist nah genug an Panem, Mittelerde oder der Tintenwelt dran, um familiär zu wirken und das Niveau des Bekannten halten zu können, jedoch auch weit genug davon entfernt, um durch seine Einzigartigkeit zu bestechen.
Um es kurz zu fassen besticht Die rote Königin durch unvorhersehbare Handlungsumschwünge, überzeugende Charaktere und einen unkonventioneller Plot, der Lust auf mehr machen. Schon jetzt habe ich mich nach dem zweiten Teil umgesehen und kann es kaum erwarten zu erfahren, wie es mit Mare, Cal und Maven weitergeht. Hoffentlich kann die Autorin das erreichte Niveau halten, ich bin gespannt.
______________________________________________________________________________
